Mehr als 900 Jahre wurde in über 120 Plettenberger Gruben nach Erz gegraben. An diese harte Arbeit unserer Vorfahren, die in langen Stollengängen Kupfer, Blei, Zink und Eisenerz abgebaut haben, erinnert heute in der Vier-Täler-Stadt nur noch wenig. Mit dem Bau der Tunnels für die Umgehungsstraße „Westtangente“ wurde 2006 ein alter Stollengang angeschnitten. Daraus ergab sich die Chance, stadtnah an die Bergbaugeschichte der Stadt zu erinnern – im Besucherstollen der 1755 von „Hermannus“ Schantz  gemuteten Bleierzgrube "Neu Glück".

Die Grube hat gleich drei unterschiedliche Entwicklungsphasen vorzuweisen. Hier kann man als absolute Seltenheit den „Dreistufen-Abbau“ spätmittelalterlicher Gruben besichtigen. Beim Vortrieb der Stollengänge konnte wegen der Enge meist nur ein Bergmann „vor Ort“ sein. Beim Dreistufenabbau, wie in „Neu Glück“, arbeitete man zu Dritt hintereinander und kam so viel schneller vorwärts.

Wie so viele Grubengänge wurde auch ein Teil von „Neu Glück“ in den Kriegsjahren 1944/45 zum Luftschutzkeller ausgebaut, in dem mehr als 100 Bürger Schutz fanden. Auch diese Phase der Nutzung, für die ein zweiter Eingang zum Stollen in den Berg gesprengt wurde, wird präsentiert. Folgt noch die Technik der Neuzeit: der Bau des 734 Meter langen Hestenberg-Tunnels, der den alten Stollengang regelrecht durchschnitten hat und die Grubenbesucher unterirdisch bis fast an den Tunnel heranführt. 

Wer die Bleierzgrube „Neu Glück“ besucht, braucht nicht über lange Wege zu Fuß in den Berg zu steigen: der Stolleneingang liegt auf kurzem Weg erreichbar geradezu mitten in der Stadt. Helme und Schutzponchos werden für die Besucher ausgegeben, festes Schuhwerk ist angebracht. Über den Stollen wacht die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute. Und noch eine Besonderheit hat der Stollen zu bieten: in einem kleinen Nebenraum haben einst 25 amerikanische Soldaten als Kriegsgefangene ausharren müssen; sie wurden aber nach wenigen Tagen von ihren Kameraden unblutig befreit.(HH)